“Spinoza-Monument”

Zurück aus Amsterdam wo ich das « Spinoza-Monument » gemacht habe hier ein kurzer Bericht darüber. Ich habe dieses Ausstellungsprojekt akzeptiert aus drei Gründen : 1. Die Organisatoren sind Personen die tatsächlich in diesem Quartier [dem Red Light-District] arbeiten und wohnen, und die also wirklich wollten dass die Künstler sich mit diesem Umfeld und mit dem öffentlichen Raum beschäftigen. 2. Amsterdam ist eine der sehr wenigen Europäischen Städte, wo es noch ein wirklich lebendiges Zentrum gibt, inmitten der Stadt. Das heisst wo das Stadtzentrum noch kein Shoppingzentrum geworden ist. (Der Red-Light-Distric ist ein Quartier wo Personen wohnen, arbeiten, wo es Hotels, Bars, Restaurants hat, wo es Fussgänger und Auto’s hat.3. Ich wollte bewusst auch an dieser Austellungen teilnehmen, obwohl es nicht nur « grosse Namen » dabei hat, ich meine, ich möchte auch weiterhin an Ausstellungen teilnehmen,  wo auch jüngere und unbekanntere Künstler dabei sind,wo nicht nur « Namedropping » gemacht wird ! Diese drei Gründe waren für mich ausschlaggebend weshalb ich mit Freude, und Energie ein neues Projekt entwickelt habe, aus dem vielleicht eine kleine Serie wird. (Spinoza, Gramsci, Deleuze, Bataille oder andere). Ich bin nun auch einverstanden und in Frieden mit meiner Arbeit da ich denke, dass sie bestehen kann. Ich war überrascht von der Einfachheit der Umsetzung meines Projekts, einmal vor Ort. Von der kooperativen Zusammenarbeit mit dem Sexshop-Betreiber der mir die Elektrizität geliehen hat. Ich konnte während der 2-tägigen Aufbauphase einen, zwar aus kritischer Distanz kommenden, Respekt der dort an der Strasse arbeitenden Personen spüren. Ich meine damit nicht etwa enthusiastische Reaktion, vielmehr begleitendes, vielleicht auch kopfschüttelndes Beobachten. Ich war überrascht wie bekannt doch Spinoza ist. Die Wahl dieses Philosophen, obwohl Fragen aufwerfend, war klar und transparent für die Betrachter. Ich diskutierte mit der Polizei, mit Martin von den « Hells Angel’s » und mit einigen Anwohnern. Ich denke das ist O.K. so und gehört dazu und ist normal wenn man als Künstler eine Arbeit im öffentlichen Raum macht. Ich denke das ist, wenn auch nicht immer sehr angenehm [bei vorbei kommenden, sprücheklopfenden Männergruppen zum Beispiel] das was zur Arbeit gehört und was es auszuhalten gilt, wenn man als Künstler davon ausgeht, dass man zuerst etwas geben muss. Ich will das, ich kann das, ich denke das ist künstlerisches Engagement. Was mich an der Veranstaltung : « Midnight Walkers & City Sleepers » aber wirklich gestört hat war, dass abgesehen von vielleicht 2, vielleicht 3 Arbeiten (von insgesamt 20), die ich Bezüglich ihrer Konzeption und Mitteilung aber auch ihres Bezugs zum öffentlichen Raum und zum spezifischen Quartier sehr gut fand, das Ausgestellte entweder ohne Interesse war oder dann ihre Konfrontation mit dem Quartier so kläglich und minimal ausgefallen ist, dass ich nur staunen konnte ! Wenn es darum geht, dass öffentlicher Raum, ein Zimmer ist in einem Hotel mitten im Quartier wo dann auch noch die Künstler wohnen, wenn öffentlicher Raum Plakate im Quartier an Aussenmauern aufzukleben oder Photos in Läden des Quartiers an die Scheibe zu hängen, dann denke ich mangelt es sehr an Auseinandersetzung mit der Problematik und schliesslich wird ein Eigengoal geschossen, denn wenn wir wollen will dass Kunst sich einerseits an die Interessierten und Informierten richtet und richten muss und gleichzeitig an die Nicht-interessierten und Nicht-informierten so können solche halbherzige und schwache Projekte nur Ausschliessen, statt Einbeziehen, sie implodiern anstatt zu explodieren.

 

T.Hirschhorn, Paris, 23.4.1999